

Bei Coq au vin denke ich daran, wie Anette bei mir in Paris diesem Klassiker das erste Mal begegnete. Sie wollte in einem Sprachkurs ihr Französisch auffrischen und ich hatte ihr angeboten, so lange bei mir zu wohnen.
Zur Begrüßung überraschte ich sie mit einem Coq au vin! Mon dieu! Sie können sich nicht vorstellen, welche Fragen sie mir stellte. Denn in meinem Topf garten Hähnchenschlegel in Rotwein und kein ganzer Hahn. Anette wusste aber inzwischen, dass Coq das französische Wort für Hahn ist. Ich erklärte ihr, dass es natürlich viele Variationen dieses französischen Nationalgerichts gibt: Klassisch wird Coq au vin in der Tat mit einem ganzen Hahn zubereitet – am Besten mit einem einjährigen, rund drei Kilogramm schweren Tier. Da Hähne in den Metzgereien oft nur nach Vorbestellung erhältlich sind, greifen wir aber auch gerne auf Hähnchen zurück, also ein weibliches oder männliches Tier mit einem Gewicht von 800 bis 1.200 Gramm.
In den Restaurants ist daher oft auch korrekterweise ein Poulet au vin auf der Karte zu finden. Und wenn es einmal etwas schneller gehen soll, nehmen wir eben zum Beispiel nur die Schlegel. Richtig neugierig wurde Anette, als ich ihr noch erklärte, dass Coq au vin sehr unterschiedlich schmecken kann, denn er wird meistens mit der jeweils für die Region typischen Weinsorte zubereitet.
Möchten Sie zu Hause also einmal die klassische Variante aus dem Burgund – ein Coq au vin rouge – probieren, empfehle ich einen guten, trockenen Burgunder. Für ein Coq au vin du Jura nehmen wir einen Weißwein, zum Beispiel einen Vin d’Arbois, während ein Coq au vin à l’alsacienne mit Riesling zubereitet wird.
Anette kämpfte mit der Aussprache der Namen. Aber der zarte Geschmack meines nicht ganz traditionellen Coq au vin mit seinen intensivem Kräuter- und Gewürzaroma versöhnte sie mit den etwas verwirrenden Begrifflichkeiten.